2018 war für Ibbenbüren ein einschneidendes Jahr. Nach 500 Jahren endet hier und in ganz Deutschland der Steinkohleabbau. Über Jahre war die Preussag/RAG hier der größte Arbeitgeber. Jeder Ibbenbürener war entweder selbst unter Tage angestellt oder hat Bergleute in der Familie. Ganze Generationen haben daran gearbeitet, das „schwarze Gold“ abzubauen. Entstanden ist dabei der tiefste Schacht in ganz Europa, bis 1630m unter die Erde führen die Schachtanlagen. 2019 ist dieses Kapitel für Ibbenbüren und Deutschland endgültig abgeschlossen.

Als Künstler und Ibbenbürener war es mir ein Bedürfnis mich mit dem Thema auseinander zu setzen.

Es gab so viele nette Reaktionen und Zuspruch, das war Wahnsinn… Danke!

Hinter jedem der Bilder steckt eine kleine Geschichte.

1) Das erste Bild ist ein Ausschnitt aus einer Zeichnung vom Buchholz. Diese Skizze ist gleichzeitig das älteste bildliche Dokument, das es vom Ibbenbürener Bergbau gibt. Sie entstand um/nach 1650. Für mich war das eins der beeindruckensten Bilder. Zwei Schächte, ca. 30-40 Fuß unter der Erde, nur mit einer Seilwinde darüber, anscheinend ohne irgendeine Sicherung. Der Tiefere diente zum abschöpfen des Grundwassers, im etwas höher gelegenen hauen die Bergleute mit der Spitzhacke auf die Kohle ein. Kohle und Wasser wurden mit der Seilwinde in Eimern hochgezogen. Arbeitsverhältnisse die man sich heute zum Glück nicht mehr vorstellen kann. Da versteht man auf einmal den Gruß „Glück auf“…

2) Das zweite Bild gehört zu den ersten Fotos, es stammt von 1896. Damals ist der Oeynhausenschacht abgesoffen. Knappe 4 Jahre stand der Schacht so stark unter Wasser, dass kein Kohleabbau möglich war. Abhilfe schafften Pumpen und Maschinen, die angeblich zu den größten der Welt gehörten: 30m lang, 300t schwer, 1200PS stark. Auf dem Bild sind die Pumpenwärter zu sehen, die dafür zuständig waren, dass die Maschinen liefen. Der Schacht konnte trockengelegt werden und der Kohleabbau ging weiter.

3) Das dritte Bild zeigt schließlich den Kern der ganzen Sache, den Kohleabbau. Aufgenommen wurde es wahrscheinlich so um 1970/1980. Rechts saust der Kohlehobel am Streb entlang und baut die Kohle ab. Der Hobel wurde von Konrad Grebe in Ibbenbüren entwickelt (um 1937). Er ermöglichte erstmals einen maschinellen Abbau der Kohle und hat sich schnell weltweit durchsetzten können. Vorne im Bild ist Herr Hans Röhrs in jungen Jahren zu sehen. Er hat fast sämtliche Werke zum Steinkohlebergbau in Ibbenbüren geschrieben und hat sich die Zeit genommen mich bei dem Konzept für die Wand ein wenig zu beraten. Das ist ein kleines Dankeschön dafür!

4) Das vierte Bild zeigt die Preussag/RAG wie ich sie fast jeden Tag wahrnehme. Das ist für mich der typische Eindruck von der Oenyhausen-Schachtlange. Ein Anblick der auch nicht mehr lange so sein wird. Meines Wissens nach werden fast alle Gebäude auf dem Bild in naher Zukunft abgerissen.

5) Das letzte Bild ist abgemalt worde von einem Foto, das Wilfried Gerharz in diesem Jahr aufgenommen hat. (Danke für die Erlaubnis das Bild abzumalen!) Wo genau es aufgenommen wurde kann ich nicht sicher zuordnen. Letztlich war es mir auch nicht so wichtig. Wichtig war mir der Symbolcharakter: Die Kumpel gehen und verlassen den Schacht. Damit endet in diesem Jahr die Geschichte des Kohleabbaus in Ibbenbüren.

Glück auf!